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Cabarete bei Sonnenaufgang

Der Winter ist kalt und unsere letzte Kitesession war noch viel kälter. 4 Grad Luft, 7 Grad Wasser und dazu ein steifer Nordwind mit Hagelschauern. Naja war cool, aber nach ein paar Schlägen war man so steif wie eine treibende Europalette. Ende Januar ist es dann so weit, Sonne und warmes Wasser müssen her und dazu noch ein konstanter Wind. Nach etwas hin und her kann ich meine Freundin zu 2 Wochen Cabarete in der Dom. Rep. überreden. Mein erster "Pauschi all inklusiv" Urlaub, ob daß gut geht? Immerhin habe ich einen Tip von einem Local, "geh ins Estrella del mare, ist zwar etwas teurer dafür aber das beste im Ort". Und was ist mit den Kitebedingungen? "Keine Ahnung hab schon mal ein paar Kiter gesehen. Der Wind kommt jedoch bei Trade-Winds immer konstant mit ca. 4 Bf. von rechts. Vorne an hast Du Flachwasser, draußen kannst Du aber auch mal richtig Welle haben. Wenn super Bedingungen sind kann es auch mal eng auf dem Wasser werden." Zwar kein Traum, aber besser als nichts, außerdem hab ich Bock auf Sonne und Palmen.

Nachdem wir die 50kg Sondergepäck (80% davon Windsurfkram, nerv!) durch den Check-In gequetscht, uns ein Antithrombosespritze und eine Valium gegönnt haben ,hebt unsere Boing 767 randvoll mit 311 Touris mühsam in den klaren kalten norddeutschen Himmel ab. Nach fast 10 Stunden Konservendose und völlig gerädert zerre ich meine Gepäck auf einem rostigen Anhäger eines Kleinbusses, nachdem ich etliche dominikanische Helfer mit 1- Dollarscheinen abgewimmelt habe (eher die Ausnahme, jedes Taxi, in der Regel Vans, nimmt einen inkl. Surfstuff für 20 Dollar mit). Erst dann realisiere ich die angenehm warme tropische Nacht, während wir durch Palmenwälder fahren und mit Merenge beschallt werden. Völlig KO fallen wir ins Bett, die Klima rasselt und das Bett quietscht, na ja hab auch nicht mehr erwartet. Um 7 Uhr morgens bin ich allerdings schon hell wach, da mich das Grollen der Wellen nervös macht. Der Sonnenaufgang ist überwältigend, völlig benommen sitze ich am einsamen Strand und schaue zu, wie masthohe Wellen ca. 1km weit draußen aufs Riff brechen. Auch der stattliche Shorebreak lädt nicht gerade zum easy Kitesurfing ein, egal ich hab ja den Windsurfkram mit.

Cabarete liegt in einer kleinen Bucht, die ca. 2,5km breit ist und durch eine vorgelagertes Riff geschützt wird. Die rechte Hälfte der Bucht ist fest in Surfer-Hand. Kleine Appartementanlagen, Bars und Surfstationen liegen dicht an dicht unter Palmen unmittelbar am Strand. Das Estrella ist das einzige größere Hotel (160 Zimmer) direkt am Strand und liegt mittig in der Bucht. Alle weiteren Hotels liegen jenseits der Straße, oder außerhalb von Cabarete. Links vom Estrella ist dann jedoch schon Schluß mit dem Trubel. Hier trifft man nur noch ein paar einzelne Spaziergänger. Alles ist gemütlich und in Palmenhöhe gehalten. Von Massentourismus keine Spur, nur die Berge an Surfstuff lassen eine Surferinvasion im Sommer erahnen. Der anfängliche Ärger über das Zimmer ist schnell vergessen angesichts des gigantisches Frühstücks im amerikanischen Stiel und der schönen Anlage. Auch das Personal vermittelt einem schnell die karibische Gelassenheit. Mit der "easy man" -Einstellung bekommen wir dann auch ein wunderschönes Zimmer. Wenn da nicht die beschissenen Kite-Bedingungen wären. Lokals beruhigen mich und behaupten, daß die Bedingungen untypisch sein und die Wellen schon kleiner werden. In meiner Not gehe ich bei Sideoffshore-Wind Windsurfen, doch der Wind ist so böig, daß ich mit meinem 75l Brett dauernd absaufe, schade um die traumhaften Wellen. Die nächsten zwei Tage bieten keine Besserung, der Wind bleibt launisch und zwischenzeitlich schüttet es aus Eimern. Doch das hervorragende Essen und die kostenlosen Drinks halten uns bei Laune. Die Happy Station liegt gleich neben an und wir teilen unser Schicksal mit Gleichgesinnten.

Doch am nächsten Tag verspricht ein wolkenloser Himmel einen perfekten Tag. Pünktlich um 13.00 fängt es an zu wehen. Sideshore von rechts. Einen kurzen Augenblick später sehe ich am linken äußeren Ende der Bucht einen Kite nach dem anderen aufsteigen. Warum starten die alle in der Nachbarbucht? Da der Shorebreak nach wie vor nicht gerade harmlos ist, begebe ich mich auf den Weg und lerne dabei Vincent aus Spanien kennen, der die gleiche Idee hat. Nach ca. 20 Minuten erreichen wir den Anfang der nächsten Bucht. Dort lernen wir Stefan kennen, der seit 7 Jahren in Cabarete lebt und neben einem kleinen Hotel auch die erste Kitesurfschule im Ort betreibt.

Hektisch ziehe ich meinen 9er Naish hoch, schnapp mir mein Bord und pflüge durch die lauwarme karibische See. Einfach geil, und das im Winter, fett. Der Wind könnte zwar etwas stärker sein, doch er ist konstant, so daß man nur wenig Höhe verliert. Besonders beeindruckend ist das Feeling, wenn die Sonne hinter den Palmen verschwindet und der Kite blutrot am Himmel vor einem langzieht. Total gestoked sitze ich mit Vincent auf der Ladefläche von Stefans Pickup, der uns nach Cabarete mitnimmt. Stefan und die Kiteszene in Cabarete sind ausgesprochen nett und nehmen uns völlig selbstverständlich in ihre Gemeinschaft auf. Abends lädt uns Stefan zum Barbecue mit Kitevideo ein.

"Fly High Beach" liegt ca. 3km westlich von Cabarete. Wer auf Laufen keine Lust hat, kann entweder einen geilen Downwindtrip machen (Vorsicht mit den beiden Riffausläufern!), oder mit einem Motocoche für ne Mark mitfahren (Motorrad- Taxi für Abenteuerlustige, die auch Surfboards mitnehmen :-). Eine kleines Haus direkt am Strand dient als Stützpunkt, für Süßwasser ist also gesorgt. Der Strand ist ca. 30m breit und damit deutlich breiter als in Cabarete, der Wind kommt absolut ungebremst schräg auflandig von rechts und das Wasser bis zum Riff ist flach und ruhig. Leider ist dieses sehr nah am Strand, so daß man bereits nach ca. 300m umdrehen muß, wenn man nicht hindurch fahren möchte. Da das Riff an machen Stellen unmittelbar unter der Wasseroberfläche liegt, sollten sich nur Fortgeschrittene darüber wagen. Wenn man etwas Raum gibt kommt man jedoch gut durch die respektablen Wellen. Verliert man jedoch zu viel Höhe ist man gezwungen ca. 500m downwind zu fahren, bis man wieder heil an Land gehen kann, da der Strand auf diesem Stück unangenehme Felsen beherbergt. Wer in Seenot gerät, wird jedoch zwangsläufig wider am Ende der Bucht angetrieben, vorausgesetzt er beleibt vor dem Riff. Die Straße läuft parallel zum Strand, so daß man mit dem Motocoche bequem die "Höhe fahren" kann.

Die nächsten zehn Tage sind ein Traum. Pünktlich gegen 14.00 startet der Wind und bläst den ganzen Tag mit 4Bf. Ich fahre die meiste Zeit meinen 9er, nur an zwei Tagen hackt es und ich komme in den Genuß den wendigen 7er Naish zu fliegen. Die Wellen flachen immer mehr ab und ein Überqueren des Riffs ist überhaupt kein Problem mehr. Durch tägliches Training werde ich immer sicherer im Umgang mit dem Kite, gehe immer schärfer an den Wind, gewinne immer mehr an Höhe, fahre zeitweise einhändig und carve immer kraftvoller durch die Halse. Nur bei den Sprüngen maul ich mich noch immer so richtig schön ab.

Plötzlich fängt die Zeit an zu rasen und schneller als ich mir lieb ist sitze ich wieder in diesem Touribomber, der mich ins kalte und verregnete Deutschland zurück bringt. Daß man da depressiv wird kann wohl jeder nachvollziehen. Eins steht fest, nächsten Winter fahren ich und meine Freundin wieder hin.........

Olli 03.03.00

Links:

http://cabaretekiteboarding.com

www.hispaniola.com/panorama

Kontakt Stefan:

Fly High and Surf