Elbecustoms erinnert so ein wenig an Pimp my Ride und WestCoastCustoms auf MTV. Werden jetzt auch Kiteboards offiziell gepimpt? Tiefer gelegt, digge Puschen rauf und fette Beats aus heissen Boxen? Weit gefehlt, die Boards der kleinen Customschmiede entstehen komplett in Eigenregie - Design, Produktion und Co. liegen in den Händen von zwei Hamburg Kerls fast direkt an der Elbe. Glücklicher Weise haben wir beide an einem sonnigem Tag in Hamburg getroffen und zu ihrer Bredderbude befragt.
Nielse: Wie seid Ihr denn auf den Namen Elbecustoms gekommen und seit wann gibt es euch?
ELBECUSTOMS: Wir wollten Boards und Plünnen schaffen, mit denen wir uns identifizieren können. Hamburg als Name war schon abgedroschen und die Elbe liegt vor der Tür. Alstercustoms ist aufgrund der Kitetauglichkeit eher unpassend gewesen, so dass wir unter Elbecustoms dann die Boards seit Ende 2003 produzieren.
Nielse: Und ihr macht auch Plünnen?
ELBECUSTOMS: Wir hatten eigentlich immer schon ein wenig mit Textilien zu tun und da wir selber wissen, wo es zwickt, versuchen wir Plünnen zu entwickeln, die uns komfortabel erscheinen und uns selbst gefallen. Seit Anfang des Jahres kann man Elbecustoms auch direkt am Körper tragen. Wir designen die Plünnen so, wie es uns gefällt, da der Markt bisher so etwas nicht her gab. Ungewöhnliche Designs verbinden wir mit hoher Qualtiät der Plünnen und bisher war der Zuspruch der Käufer auch sehr gross.
Nielse: Nun mal zurück zu den Boards. Wie seid Ihr auf die Idee gekommen, Boards zu bauen:
ELBECUSTOMS: Die Boards, die auf dem Markt waren, erfüllten unsere Anforderungen nicht und was liegt dann näher, selbst eine Veränderung zu schaffen.
Nielse: Also "Do-it-yourself" anstatt Meckern über Bestehendes. Wo kommt das Know-How her?
ELBECUSTOMS: Das Wissen über Materialien und Vakuum-Technik kommt noch aus unserer Jugend und dem Modellbaubereich. Vom Modellbootsbau bis zum Flugmodellbau war eigentlich alles dazwischen. Der Rest kam über unzählige Selbstversuche.
Nielse: Bevor wir dann zum eigentlich Material kommen, ein kurzer Ausflug zur Optik. Wie entwickelt ihr denn das Boarddesign:
ELBECUSTOMS: Das Design wird indivduell mit jedem Kunden einzeln abgesprochen. Das ist eben Custom. Die Designs werden dann in die Boards einlaminiert - wie genau ist betriebsgeheimnis.
Nielse: Und nun mal zum Boardbau. Aus welchen Materialien fertigt Ihr Eure Elbecustoms?
ELBECUSTOMS: Der Kern besteht aus einem Corecell-Schaumkern. Die Laminate werden je nach Kundenbedarf und Einsatzbereich ausgelegt.
Nielse: Was für Laminate verwendet Ihr?
ELBECUSTOMS: Von Glas über Kohlefaser bis zu Aramidgewebe. Der Mix der verschiedenen Materialen bringt den gewünschten Flex und die Haltbarkeit. Weiterhin sind die Boards mit Kunststoffkanten und V4A-Inserts. Auf Wunsch ist auch ein Holzkern möglich, wir richten uns da ganz nach den Kunden, die wir aber natürlich vorher intensiv beraten, um ein perfektes Ergebnis zu erzielen.
Nielse: Wie sieht die sonstige Ausstattung der Boards aus, Ihr erwähntet ja schon V4A-Inserts. Sind nicht eigentlich V2A-Inserts Standard?
ELBECUSTOMS: V4A ist seewasserfest, was gerade hier oben an der Küste sehr wichtig ist. Wir versuchen einen hohen Qualitätsstandard zu halten, daher verwenden wir auch nur hochwertige Materialien. Natürlich gibt es auch 4 G10 Finnen, die am besten zum Shape passen, also in der Länge variieren können. Am liebsten verbauen wir dazu Dakine-Pads und Dakine-Straps. Aber natürlich sind wir auch für jeden anderen Kundenwunsch offen, was die Ausstattung angeht.
Nielse: Gibt es den bei Euch auch den "old-school"-Griff? Es gibt ja immer wieder lustige Diskussionen um dieses kleine Teil am Board.
ELBECUSTOMS: Natürlich, je nach Wunsch gibt es Grab Handles oder nicht. Partiell statten wir die Boards auch gerne mit Grip-Tape aus. Auf Griffmulden verzichten wir, um die fließenden Konturen nicht zu stören und eigentlich zerstört es die Optik des Boards!
Nielse: Wie sehen den Eure Shapes aus?
ELBECUSTOMS: Unsere Boards kommen mit einer relativ gestreckten Outline und breiten Tips, dadurch erreichen wir ein frühes Angleiten, gute Höhelauf-Eigenschaften und ein fehlerverzeihendes Board. Die eierlegende Wollmilchsau soll es nicht sein, wichtig ist, dass der Fahrer sich ab der ersten Minute wohl fühlt und mit dem Board sofort zurechtkommt. Dies bestätigt uns auch die Kundenresonanz der bisher ausgelieferten boards.
Nielse: Ist eine Konkave ein Thema bei Euren Boards?
ELBECUSTOMS: Unsere Konkave hat in der Mitte eine Tiefe von 0,4 mm und zieht sich durch das ganze Board, wobei sie an den Tipenden etwas flacher wird. Trotz der Konkave haben unsere Boards ein gutes Flexverhalten, daher verzichten wir auf flache Tipenden.
Nielse:Warum soll ich mir ein Elbecustoms kaufen und kein Board von der Stange?
ELBECUSTOMS: Elbecustoms werden genau auf Deine Wünsche und Bedürfnisse gefertigt und sind absolute Einzelstücke. Damit hebt sich der Fahrer auf jeden fall von der Masse ab. Jeder Kiter hat ein anderes Fahrverhalten und lässt sich nicht in eine Schublade stecken. Individualität wird bei uns großgeschrieben. Kiter und Kiterinnen, die etwas besonderes suchen, was nicht nur gut aussieht, sondern auch genauso gut funktioniert, sind bei uns richtig.
Nielse: Hört sich ja gut an und was muss ein Kunde investieren um Elbecustoms fahren zu können?
ELBECUSTOMS: Der Preis richtet sich natürlich ja nach Aufwand. Ein Stück Individualität gibt es ab 560 Euro.
Nielse: Kann man auch Elbecustoms testen bevor man sie kauft?
ELBECUSTOMS: Der Name Custom sagt schon aus, dass jedes Board individuell auf die Ansprüche des jeweiligen Fahrers zugeschnitten wird. Dadurch machen testboards nur sehr begrenzt Sinn.
Nielse: Wieviele Boards habt Ihr schon so unters Kitevolk gebracht?
ELBECUSTOMS: In dem ersten Viertel Jahr waren es schon mehr als im gesamten letzten jahr :
Nielse: Ich gehe dann mal davon aus, dass Ihr Eure Verkaufszahlen wie viele andere auch verschweigt. Wie bekommt man ein Elbecustoms?
ELBECUSTOMS: Über die Website http://www.elbecustoms.de kann der Kontakt zu uns hergestellt werden. Dort findet man auch einige der bisher geshapten Boards und demnächst auch eine kleine Auswahl an Plünnen.
Nielse: Dann bedanke ich mich erst mal für Eure Zeit und wünsch Euch weiterhin viel Erfolg. Wollte Ihr noch was loswerden zum Abschluss?
ELBECUSTOMS: Ein großer Dank geht an Gert von twintail.de, oliver von rd-beschriftungen.de und an Michael aus der Schanze für die Nutzung seiner Räumlichkeiten.
www.kitesurfing-kiel.de