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Kitesurfing Kiel - Airforce Allroundshape 2003

Es ist schon etwas länger her, daß ich mich zum Thema Shapes und Custommades geäußert habe. Das heißt aber nicht, daß die Entwicklung stillsteht. Ganz im Gegenteil im Laufe der letzten Saison habe ich einige Shapes ausprobiert. Und für mich persönlich hat sich einiges getan. Denn mit der zunehmenden Leistung der Kites, ändern sich natürlich auch die Ansprüche an die Boards. Ich habe zusätzlich viele sehr unterschiedliche Boards aus der Serie gefahren. Oft war mir der Charakter der Boards fremd, aber je mehr Bretter man unter die Füße bekommt, desto offener wird man für Ideen, die hinter einem Konzept stecken. Meiner Meinung nach ist das Kiteboard 2003 ein Brett mit Charakter. Es gibt eigentlich kein gut oder schlecht mehr. Wenn man es grob betrachtet gibt es nach wie vor Wakestyle-Boards (140/38 viel Scooprocker) oder Surfstyle-Boards (um die 156/40 mit wenig Scooprocker). Und auch alle Kombinationen daraus funktionieren sehr gut. Doch auf die Dauer vermißt man das Neue, den AHA Effekt. Ein Board muß nicht nur gut sein, nein es braucht einen Charakter. Und dafür muß man sich vor dem Shapen bewußt sein, was man mit dem Board erreichen will!

Vorweg möchte ich darauf hinweisen, daß die folgenden Statements auf meine persönliche Erfahrung basieren. Sie sollen keine allgemeine Gültigkeit besitzen. Ich versuche nur zu erklären, warum ich mich für bestimmte Kriterien entschieden und diese auch so umgesetzt habe. Auch ich habe die Idee vom Shortboard wieder aufgegriffen. Doch hier muß man sicherlich noch einiges ausprobieren, um genaueres sagen zu können. Die folgenden Zeilen drehen sich daher um meine Kriterien eines Allrounder.

Also die wichtigste Erkenntnis aus 2002 für mich persönlich ist, daß Geschwindigkeit kein notwendiges übel mehr ist, sondern die Grundlage für mehr Power im Kite, mehr Höhelaufen, fettere Jumps und einem flüssigeren Style. Entscheidend dafür ist die bessere Kontrolle und Depower der Kites. Denn "früher" galt die Devise bei Überpower, Bremsen und die Kontrolle behalten. Natürlich ist auch das bessere Fahrkönnen ein wesentlicher Punkt. Wie bekomme ich also mehr Speed?

Klar, durch eine flache Boden kurve. Aber! Besonders für leichte Fahrer ist dann bei Überpower der Spaß vorbei. Aus meiner Erfahrung orientiert sich die Bodenkurve an dem Gewicht des Fahrers. Denn schwere Fahrer kommen mit meinen "Leichtwindboards" und einer flachen Bodenkurve selbst bei richtig Power noch hervorragend zurecht und schwärmen sogar darüber. Eine gemittelte harmonische Bodenkurve ist also ein gute Grundlage für fast alle Bedingungen. Sehr entscheidend für die Charakteristik ist meiner Meinung nach das Längen-Breiten-Verhältnis. Wählt man z.B. eine harmonische gemittelte Bodenkurve (4cm) und verändert nur die Breite, dann ist ein 145er mit 39cm ein guter Allrounder, ein 145er mit 35cm jedoch ein aggressives, schnelles und anspruchsvolles Teil, was auch noch bei sehr viel Power problemlos gefahren werden kann, jedoch dem Fahrer auch einiges abverlangt.

Aber mehr Speed benötigt auch mehr Kontrolle. Ganz im Trend sind ja deshalb runde Rails. Das man dadurch zwangsläufig Grip und auch Führung verliert, dafür braucht man glaube ich nicht Physik zu studieren. Natürlich kann am das wiederum durch viel Finnenfläche kompensieren, aber diese Kombination funktioniert wirklich nur bei viel Wind so richtig gut. Ein Mittelweg ist bekanntlich ja immer die beste Alternative. Warum also nicht die Kante nach unten hin scharf und oben hin rund und voller machen. Dadurch bekommt man Grip und viel Kontrolle bei Überpower, ruppigen und welligen Bedingungen. Dabei sollte das Volumen des Rails mit der Radikalität des Boards sogar eher zunehmen. Die Gestaltung des Rails ist aus meiner Sicht sehr ausschlaggebend für die Kontrolle über das Board und bestimmt dadurch ganz wesentlich den Charakter. Leider bestimmen jedoch häufig die Möglichkeiten in der Produktion das Design der Rails.

Ein weiteres Thema sind die Finnen. Sie sind sehr wichtig und für die Charakteristik der Boards entscheidend mit verantwortlich. Aber die Finnen sollten schon zum Shape passen. Große Finnen sind Trend, aber meiner Meinung nach wird das Maß oft unnötig überzogen. Denn ab einer gewissen Größe überwiegen die Nachteile die Vorteile von mehr Grip, sattem Absprung und besserem Höhelaufen. Besonders bei viel Wind und ruppigen Bedingungen fordern große Finnen mit Tiefgang viel Können vom Fahrer. Kleinere Finnen sind wesentlich gutmütiger, schneller, und bieten mehr Spielraum, besonders wenn es um das Erlernen von neuen Manövern oder Tricks geht. Eine gelungene Alternative ist daher das 6 Finnensetup. Dadurch bekommt man relativ viel Finnenfläche ohne unnötig in die Tiefe gehen zu müssen. Ich bevorzuge nach wie vor die runderen Formen, weil das für mich aquadynamisch einfach logischer erscheint. Durch eine lange Basis und weniger Tiefgang bekommt man ebenfalls sehr viel Finnenfläche, ohne catchende und zickige Fahreigenschaften zu riskieren.

Die Boards werden immer leichter. Aber ist leichter immer besser? Es gibt einfach Grenzen. Und die sind in der Regel bereits erreicht. Carbon-Glas-PVC-Kern Technologie ist ja ein alter Hut und nix neues. Schon seit Jahren werden so Regatta-Yachten gebaut. Auch beim Windsurfen hat man bereits alles ausprobiert und die Board werden nun mal nicht leichter als 6kg, ohne extreme Abstiche in der Stabilität machen zu müssen. Ähnliches gilt auch für Kiteboards. Nur das Kiteboards in der Regel sehr hohe Belastungen wegstecken müssen. Verfolgt man das Ziel ein Board auch bruchsicher zu machen, dann ist für mich das Limit für das nackte Board bei 1.7kg (140er Shape&Go) erreicht. Und man sollte das Gewicht einer guten Ausstattung nicht unterschätzen. Es liegt in der Regel zwischen 500-700g. Es ist also schwer unter 2.3-2.5kg overall zu kommen, ohne die Stabilität eines Boards zu riskieren.

Es gibt ja viele Meinungen darüber, was man wie machen sollte. Also ich verwende nach wie vor 90er Corcell als Kern. Es ist zwar nicht besonders leicht, dafür ist die Druckfestigkeit auch ohne Laminat erheblich und man kann dadurch über das Laminat wieder Gewicht einsparen. Außerdem verwende ich wieder zunehmend Glas. Es besitzt einfach einen angenehmeren Flex. Carbon hat auf die geringe Länge von Kiteboards einfach zu hohe Rückstellkräfte. Außerdem ist ein Vollcarbonboard sehr empfindlich gegen punktuelle Belastungen, die man beim Kitesurfen oft nicht vermeiden kann. Carbongewebe oder Carbonstringer setzte ich nur noch gezielt ein, um ein Board steifer zu machen oder zu verstärken. Es sei denn man legt wert auf Optik. Der größte Vorteil von Glas jedoch ist (abgesehen vom Preis), daß es in Kombination mit einem guten Harz (SP Ampreg 26) eine sehr hohe Schlagfestigkeit besitzt.

Alle meine Boards werden klassisch gelappt, d.h. das Unterwasserschifflaminat greift um die Kante herum (augenommen Full-Rial-Design). Dazu muß man allerdings eine Tüte in Tüte Vakuumtechnik anwenden und das Oberwasserschiff in einem zweiten Schritt getrennt laminieren. Der Aufwand ist relativ hoch, aber nur so erreicht man eine doppelte Laminatstärke auf dem Rail. Dadurch wird nicht nur das Rail extrem stabil, sondern das Board bekommt eine Art Rahmen auf dem das restliche Laminat und auch die Verstärkungen und Stringer eine Abstützung findet. Die eigentlichen Vollagen an Gewebe nehmen jetzt nur noch eine Art Hüllenfunktion ein. Bis jetzt habe ich mich bis auf minimal 3 Lagen heran getraut. Theoretisch könnte man mit dieser "Frame" Technik das Gewicht noch mal ordentlich drücken, aber ein Rumpfgewicht von 1.8 kg bei 140cm reicht mir einfach. Durch ein gewinkeltes Design der Rails kann man auch bei dünnen Board zusätzlich Steifigkeit und Stabilität gewinnen.

Ganz wesentlich an den klassisch gelappten Rails ist jedoch, daß man nur so ein individuelles Rail gestallten kann. Läßt man Ober und Unterwasserschiff auf der Kante stumpf zusammentreffen, dann hat man entweder eine Preßfalz, die zwar ultra viel Gripp bringt, aber meiner Meinung nach die Laufruhe des Boards einschränkt, oder eine sehr empfindliche Kante. Man kann zwar diese Methode durch zusätzliches Harz und etwas Gewebe verstärken, aber an ein gelapptes Rail kommt keine dieser Techniken heran.

Nach wie vor baue ich die meisten meiner Boards im Shape&Go Design. Mittlerweile färbe ich den Füller ein, damit man das Board auch bei Wellen besser wiederfindet. Füller drauf, einschleifen, Mattlack und Sticker drauf, fertig. Clearboards machen nach wie vor Spaß, aber das Gewicht ist dann durch den vermehrten Harzanteil immer etwas höher. Auch ein schönes Lackfinish ist nett anzusehen, aber sehr empfindlich. Außerdem kostet eine sehr gute Lackierung wieder Gewicht. Verwendet man so wie ich sehr viele Stringer und Verstärkungen, dann braucht man schon sehr viel Füller, um eine glatte gelackte Oberfläche zu bekommen.

Die oben genannten Aspekte habe ich in versucht in meinen Shapes F14 und F15 zu verwirklichen. Ich werde in Kürze ein paar Eindrücke dazu unter Boards online stellen.

Gruß olli

www.kitesurfing-kiel.de